Von Kannabis bis Breitband

Hohenmölsen zeigt aufrichtige Debattenkultur

Auf aufrichtige Fragen folgen aufrichtige Antworten. Wie von einem Bürgergespräch in Hohenmölsen etwas über Debattenkultur gelernt werden kann.

Dass nicht unbedingt stimmen muss, wenn viral und medial die Runde macht Politikverdrossenheit, Frustgebrüll und Flüchtlingshetze sei alles, was Bürger noch beschäftige, das zeigte sich gestern (14.08.) in Hohenmölsen. Dabei hätten gerade hier, wo die Braunkohle allgegenwärtig ist, Worte wie Entkarbonisierung und Braunkohleausstieg genügend Zündstoff für frustgeladene Debatten liefern können. Haben sie aber nicht, im Gegenteil. Das Thema Strukturwandel nach Braunkohleausstieg brachte ein Hohenmölsener Stadtrat zwar auf den Tisch, aber sachlich, ohne Polemik und mit konkreten Fragen. So bekamen die HohenmölsenerInnen auf ihre aufrichtigen Fragen auch aufrichtige Antworten.

„Strukturwandel kann nicht heißen, wir machen einen Paddelbootverleih nach dem anderen auf. Dieser Strukturwandel darf und wird nicht zur Entindustrialisierung in dieser Region führen. Wir arbeiten mit der Wirtschaft und Wissenschaft länderübergreifend an Lösungen.“

Die SPD-Landtagsfraktion hatte geladen und es waren viele gekommen. Sogar zusätzliche Stühle wurden angebracht. Alle Tage hat man zwar Gelegenheit für Debatten, aber nicht mit MinisterInnen, Staatssekretäre und MdL’s. Die hatten tags den Tagebau Profen befahren, nachmittags ihre Fraktionssitzung und nun also ein Bürgergespräch. Und das war es dann auch – ein Gespräch.

Wann bekomme ich meinen Breitbandanschluss?

Der Bürgerbewegten Sylvia Weidemeier war schon klar, so persönlich werde die Antwort nicht kommen. Wirtschaftminister Armin Willingmann erläuterte den konkreten Stand der Planungen und Vergaben allgemein und in der Region. Bis 2020 wolle man etwa vor allem auch die „Schulen ans Netz“ (Programmtitel) haben. Schmunzeln auf Weidemeiers Frage, wenn die Dorfschule am Netz sei, weshalb nicht gleich das ganze Dorf? Frage-Antwort-Spiel als gelösten Meinungsaustausch, so erlebt in Hohenmölsen.

Es kamen viele Themen auf den Tisch. Ob die Legalisierung bestimmter Drogen am Ende den Konsum minimieren würde wurde ebenso offen diskutiert, wie Fragen und Probleme rund um die Inklusion an Schulen oder wie insbesondere Alleinerziehenden am effektivsten zu helfen ist, wenn die Unterhaltszahlungen ausbleiben. Feuerwehrleute, die sich um die Einsatzbereitschaft sorgen, eine seit der Flut 2013 zerstörte Eisenbahnbrücke, die einen nahen Chemiestandort gefährdet, eine für Kommunen schwer verständliche Programmierung von Fördermitteln….viele Fragen, viel Diskussionsstoff, viele Antworten. Letztere, so mein Eindruck, wurden stets konkret mit Fakten unterlegt beantwortet.

Was bleibt ist mindestens die Erkenntnis, dass es geht und es lohnt, miteinander ins das Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben. In Hohenmölsen ist das an diesem Abend gut gelungen.

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Der Ortsverein der SPD in Zeitz wurde am 6. Dezember 1989 als SDP-Ortsgruppe Zeitz gegründet.

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